Begonnen hat „mein“ Australien ja in Brisbane. Es ist die Hauptstadt des Staates Queensland. Oder auch der Sonnenstaat genannt. Oder eben in der Stadt „Brissie“. Die Drittgrösste Stadt in Australien (fast 2 Millionen Einwohner). Durch die Stadt windet sich ein Fluss mit grünen Ufern und angrenzenden Parks. Es ist eine Stadt, in der ich mich wohlfühle, auch wenn das Zentrum eher ein architektonisches Potpourri ist. Leider wird der Fluss meistens von Beton verdeckt, der die dahinter oder eben davor liegenden Autobahnzubringer versteckt und die Stadt vor Lärm schützen soll.
Leider ist das Wetter nicht gerade „Super“. Dafür sind Regenbogen an der Tagesordnung. Das Wetter ist aber sehr schwierig vorher zu Sagen. Es kann da wo du gerade bist wie aus einem Gartenschlauch regnen, während 50 Kilometer weiter, super Wetter ist und kaum ein wölklein am Himmel zu sehen...Es kann aber auch passieren, dass es regnet und nach 20 Sekunden wieder aufhört und 5 Minuten später wieder Sonnenschein und somit auch gleich viel, viel wärmer ist. Somit habe ich es unterlassen, auf den Mount „Coot-tha“ zu fahren. Von da aus soll der „Lookout“ besonders gut auf die Stadt und Umgebung sein und bei guter Sicht sogar zu den Inseln „Moreton“ im Osten reichen. So gibt es relativ wenig Bilder der Stadt und wenn dann meistens aus dem Auto…Apropos Auto. Ich habe ja ein Auto hier, wie ihr wisst. An das Links fahren habe ich mich schnell gewöhnt und ist mittlerweile sogar „normal“! Am meisten Mühe hatte ich, mit der linken Hand den Ganghebel zu betätigen und zu schalten. Aber auch dies geht mittlerweile Problemlos, da ich ja bereits über 3500 Kilometer! damit gefahren bin…
Also mal was zu den Strassen…Freeways sind mit unseren Autobahnen zu vergleichen. Highways sind meistens zweispurige Landstrassen. Darauf gibt es immer wieder Möglichkeiten um zu überholen. Sie sind mehr oder weniger gut ausgebaut, manchmal aber auch nur eine elende, von tausenden von Schlaglöchern durchsetzte Fahrbahn, vielleicht auch nur eine unbefestigte Sand- und Schotterstrasse! Nachtfahrten sind aus verschiedenen Gründen nicht zu empfehlen. Die Sicht ist sehr schlecht. Es hat die sogenannten Roadtrains (riesige Sattelschlepper mit drei bis vier Anhängern) unterwegs und der Zusammenstoss mit den Tieren (Kängurus oder sonstiges Vieh)ist viel zu gross. Ab 17.30 Uhr ist es mehr oder weniger Dunkel und ab 18.00 Uhr ist es Nacht. Viele Autos haben deswegen einen „roo bar“ (zusätzliche Stossstangen) montiert, um den Aufprall abzufangen (wobei diese auch nicht viel bringt, wenn man mit 120 Sachen ein Känguru erwischt!). Auch Gitter vor den Scheiben ist keine Seltenheit . Diese sollen vor den Steinen schützen, die hier einem Wort wörtlich um die Ohren fliegen, abhalten und ein Bruch der Windschutzscheibe verhindern…
Mein Weg führt hauptsächlich über den Highway 1. Oder auch Bruce Highway genannt. Je weiter man nach Norden kommt, je weniger ist er befahren(ausser von den Roadtrains!). Der Highway führt durch ganz Queensland, mehr oder weniger der Küste entlang. Nur die Küste bekommt man eigentlich nie zu Gesicht. Man muss den Highway schon verlassen und durch eine der Städte fahren, wenn man an die „Beach“ möchte oder das Meer sehen will. Was einem aber durchaus auch passieren kann, ist das auf der Strasse vor einem auf einmal ein halbes Haus, mit so etwa 100 Sachen drauf, auftaucht! Siehe selbst:
Die Tierwelt in Australien ist sehr gross. Ich bekomme viel davon schon auf dem Highway mit, leider liegen da die Tiere am Strassenrand und sind tot…Von Koala Bären zu Kängurus, von Schlangen zu Vögeln, von Hunden zu Kojoten! Es ist extrem, wie viele davon an der Strassenseite, manchmal auch mitten auf der Strasse, liegen. So wechselt der Seitenstreifen immer wieder zwischen Totem Tier und zerplatzen Reifen der Autos oder Lastwagen. Hin und wieder ist es aber auch ein Schuh, der den Rand der Fahrbahn etwas bunter macht…Ist Euch eigentlich schon mal aufgefallen, dass wenn ein Schuh auf der Strasse liegt, es immer der linke ist? Lassen die Leute die Schuhe eigentlich absichtlich liegen? Ist dies so eine Art Aberglaube? Wollte mir schon oft ein paar Schuhe zusammen stellen, geht aber nicht, da immer nur der linke Schuh zu finden ist…
Im Gegensatz zu Indonesien, wird hier überhaupt nicht gehupt. In den 2 Wochen im Auto unterwegs, habe ich bisher nur einmal eine Hupe gehört! Selbst in einer Grossstadt wie Brisbane…Da kann noch so eine grosse Autoschlange sein, hinten anstehen und geduldig warten. Kein drängeln, kein hupen, kein hetzten…alles Easy eben…Nur besitzen auch die Australischen Chauffeur kein anderes Hirn…Es scheint also das gleiche auf der ganzen Welt zu sein, wie ich es in einem früheren Blog mit dem Chauffeur Hirn schon beschrieben habe!
Die Australier scheinen nur an den armen kalt zu haben…Zur Zeit ist Winter in Australien. Die meisten tragen aber kurze Hosen und dazu an langes Shirt, Kapuzen Jacke, ein Pullover oder etwas in der Art. Hauptsache lang arm…Dies hat mich zum Schluss gebracht, dass sie nur an den armen frieren ;-). Was hier aber „Pflicht“ ist, ist eine Sonnenbrille. Egal ob es regnet, dunkel ist oder auch mal die Sonne scheint, Hauptsache sie haben ihre Brille mit dunklen Gläsern auf der Nase! So gibt es diese Brillen auch überall zu Tiefstpreisen zu kaufen. Was es aber auf keinen Fall zu Tiefpreisen gibt, sind Zigaretten. Ein Päckli Marlboro kostet schnell mal 17 Franken! Dafür gibt es dann aber auch 25 Stück und nicht 20 wie bei uns…Dies habe ich noch in Asien/Indonesien für 10 Päckli bezahlt! (Nicht nur am Flughafen)
Zurück zu meiner Fahrt nach Airlie Beach, dem „Sprungbrett“ zu den Whitsunday Islands (74 Stück, alle im Great Barrier Reef gelegen, die eine Farbsymphonie in Grün, Weiss, Aquamarin und Türkis versprechen, also Bewaldete Inseln, Sandstrände und Meer. Aber dazu später, wenn ich dann da bin :-), eigentlich bin ich ja da, aber noch nicht ganz vom erzählen her…).
Also, von Hervey Bay bis Rockhampton ist die zentrale Küste von Queensland und das provinzielle Herz. In den drei Städten Bundaberg, Gladstone und Rockhampton werden die Produkte des Umlandes verarbeitet und verschifft. Diese Produkte wären: Zucker, Rindfleisch, Baumwolle, Getreide und vor allem Kohle. Die grössten Steinkohle Reserven von Australien birgt das Hinderland von Mackay bis nach etwa 500 Km weitere Bowen. Aber auch andere Bodenschätze sind hier vergraben; westlich von Rockhampton findet man Saphire, Diamanten und Rubine. Bundaberg hingegen ist ein Synonym für Rum. Die Rum Distillery Bundaberg versorgt das ganze Land mit dem Stoff. In dieser Region dreht sich eh alles um den Zucker, der ja der Grundstoff dieses Destillats ist.
So habe ich auch eine Zuckerfabrik in Sarina besucht, die aus dem Zuckerrohr das weisse Gold herstellt. Dabei werden aber auch andere Produkte wie zum Beispiel Ethanol gewonnen. Dieses „Nebenprodukt“ wird dann wieder dem Benzin beigemischt. Es ist eine interessante Führung, die ich hier (mit Video) erhalte. Die einzelnen Schritte werden einem genauestens erklärt, inkl. Degustationen der einzelnen Stadien der Produkte und der Produktion. Wirklich informativ, auch wenn ich es eigentlich weiss, wie das weisse Gold hergestellt wird. Musste dies doch an der Abschlussprüfung zum Koch genau detailliert aufschreiben und erklären…also so eine Art Auffrischung für mich…;-)
Neben dem Zuckerrohr wächst in dieser Gegend aber auch Tomaten, Paprika, Kürbisse, Zucchini, Melonen und etliche weitere Feldfrüchte. Dieses Land hier zählt zu den produktivsten Anbaugebieten von Australien.
Gladstone hingegen ist eine richtige Industriestadt. Angeblich wurde hier ein neuer Tiefseehafen nur angelegt, um die Kohle aus dem Bowen Basin verschiffen zu können. Aber auch die landwirtschaftlichen Erzeugnisse des Hinterlandes werden hier verladen. Die jährliche Tonnage soll hier grösser sein, als die von Sidney. Ein moderner Boothafen für Ausflugsschiffe ist derzeit am entstehen. Die Region beherbergt auch die grösste Aluminium Fabrik der Welt. Also alles voller Industrie hier, trotz alle dem, hat die Region auch seinen Charme.
Mein Weg führt weiter nach „Rocky“. Wie die einheimische „Ihre“ Stadt Rockhampton liebevoll nennen. Aber auch eine andere, nicht weniger stolze Eigenbezeichnung lautet „Beef Capital of Australia“. Hier dreht sich alles um das Beef. So erinnern viele Statuen mächtiger Bullen an die Fleischlieferanten. Bereits am Eingang zu der Stadt wird man von einer solchen begrüsst.
So habe ich es mir auch nicht nehmen lassen, so ein Beef zu vertilgen. Ich habe im Ascot Stone Grill ein hervorragendes Rumpsteak gegessen. Es ist das kleine, das ich bestellte. Es hat aber immer noch stattliche 500 Gramm. Es wird einem sozusagen roh serviert auf einem heissen Stein. Ähnlich wie bei uns, einfach viel, viel, viel besser und viel, viel, viel günstiger. Ich bezahle inklusive 2 Cola und Pommes knapp 27 Franken!
Es geht weiter Richtung Norden auf dem Bruce Highway. Immer noch Pflastern die leider toten Tiere den Strassenrand zu. Daneben liegen die riesigen und weiten Rinderfelder. Das ich langsam aber sicher in die Gegend von Mackay komme, sehe ich daran, dass die Rinderfelder nun von den Zuckerrohr Feldern abgelöst werden. Zuckerrohr wo man hinsieht. So weit das Auge reicht. Links, rechts, überall Zuckerrohr. Mackay und seine Region produzieren über einen Drittel der gesamten Australischen Zucker Produktion. Auch hier soll ein künstlich angelegter Hafen die süsse Fracht in einem riesigen Terminal Lagern. Auch dies klingt wiederum nach unansehnlicher Industriestadt. Es ist aber eine ruhig gebliebene Provinzstadt, die mich ein paar Tage zum verweilen einlädt. In der umgebung gibt es einige, breite Sandstrände die kaum Besucht sind…Nur das Baden ist nicht wirklich ein Spass.
Die Quallen Zeit(die giftigen Würfelquallen vorallem) ist eigentlich vorbei. Doch es scheint dieses Jahr etwas länger zu gehen. So wage ich es (noch) nicht ins Wasser zu steigen, dies werde ich auf Whitsunday Islands sicherlich alles nachholen. Hier startet für mich das Great Barrier Reef. Dieses Reef erstreckt sich ja über 2500 Kilometer. Es soll aus 900 Inseln und 2900 Riffen bestehen. Es besteht aus Steinkorallen und Kalkalgen. Diese Korallen bilden die Lebensgrundlage für ein kompliziertes Ökosystem aus Mikroorganismen, Muscheln, Schnecken, Quallen, Seesternen und angeblich über 1500 Fischarten. Aber auch Schildkröten und Seevögel. Dies muss ich natürlich alles ausd der nähe sehen. So mache ich mich in Richtung Airlie Beach, dass das Sprungbrett für Whitsunday Islands sein soll, auf den Weg. Kaum da angekommen, wird man überhäuft mit Angeboten um die Inseln zu bereisen und zu besuchen. Ich gehe erst mal auf einen Camping Platz, um mir Bei der Wahl etwas Zeit zu lassen. Kaum auf dem Zeltplatz angekommen, werde ich auch bereits von einem einheimischen Tier begrüsst. Es ist bereits die zweite Begegnung einer solchen ungewollten Art. Die letzte hatte ich auf der Fahrt nach Mackay.
Ich habe mich zum Schlafen auf einen Platz bei einem Roadhouse (Raststätte) für Lastwagen hingestellt. Als ich Nachts das Bedürfnis verspürte, etwas Wasser los zu werden, bin ich aus dem Wagen gestiegen und wollte Richtung Toilette laufen. Aus dem dunkeln springt mir auf einmal eine Art Hund entgegen. Kurz vor mir hält dieser an und nun sehe ich, dass es gar kein Hund ist, sondern ein Kojote, dem der Saft im Mund schon zusammenzulaufen scheint. Er begrüsst mich höfflich mit seinen blanken Zähnen. Ich erwidere seine freundliche Begrüssung in dem ich ihm meine Cola Dose hinstrecke (war ein reiner Reflex!). Dies scheint aber angeblich seine Wirkung zu zeigen. So verschlafen ich auch noch bin, sehe ich dass er seinen Mund langsam schliesst und genüsslich an der Dose schnuppert. Ein kleiner Small Talk von mir zu ihm und er verschwindet, so unbehelligt wie er gekommen ist, auch wieder in der Dunkelheit. Dieser Small Talk wirkt auch auf dem Campingplatz bei diesem Tier hier
Wunder. Aber nicht nur bei den Tieren. Der Small Talk spielt eines der wichtigsten Rollen im Alltagsleben der Australier. Es ist wie ein Ritual wenn man Leuten begegnet, sich kurz auszutauschen. Ob man die Leute kennt oder nur flüchtig tut nichts zur Sache. Eine kleine Plauderei übers Wetter oder über das vergangene oder kommende Wochenende, über die Arbeit, egal, es gehört dazu. Vielleicht noch ein Kompliment dazu und die beiden Parteien ziehen glücklich weiter. Komplimente wie :“Well done“ oder etwas in der Art, hört man hier sowieso viel öfter als bei uns. Es mag noch lange nicht perfekt sein, was der andere geleistet hat, aber die Anstrengung wird honoriert. Immer erst mal das positive herausstreichen, so die Strategie der „Aussie`s“. So wird immer ein angenehmes „Klima“ geschaffen. Dies macht den Australier für uns doch auch so freundlich und zugänglich. Der Hang zur ungezwungenen und zur unverbindlichen Plauderei. Wenn man es aber bei einem guten Morgen oder guten Tag bewenden lässt (man kennt sich ja nicht…), kann man schnell als steif und zugeknöpft oder sogar unfreundlich wirken!
Mit Kritik hingegen tun sich die „Aussie“ sehr schwer. Lieber die Faust im Sack machen und wenn der andere Weg ist, über Ihn schimpfen. Ich glaube das dies an ihrem Individualismus liegt. Wer bin ich, dass ich meinem Nachbarn sagen kann, dass er dies falsch gemacht hat? Der Eindruck „es sind alle so locker und ungezwungen“ (basierend auf Small Talk), kann einen Europäer leicht ins Fettnäpfchen treten lassen. Seine Ehrliche Meinung sagen kommt hier nur gut an, wenn man es in eine gehörige Portion Selbstironie und Humor verpackt. Die Direktheit kommt hier sollten gut an. Ohne das man es merkt, tritt man in solche Fettnäpfchen. Schlimmstenfalls ziehen sich die flüchtig Bekannten von einem zurück, und man hat keine Ahnung warum…Aber eben, der Small Talk hat mich vor schlimmerem sogar bei Kojoten und Riesigen Echsen bewahrt! Man gewöhnt sich relativ rasch an diese kurze Unterhaltungen und kurz darauf gehören sie einfach zum Leben in Australien.
Doch zurück zu Airlie Beach. Das Wasser hier verlockt zum Segeln und Inselhüpfen. Das Türkis und Aquamarinblaue schimmernde Wasser bildet eine der schönsten Küsten von Queensland. So muss man einfach eine Bootstour zu den Inseln machen. Ich habe mir eine Bootstour, da der Segelkatamaran leider für 4 Tage überholt wird mit dem ich eigentlich auf See stechen wollte, zu 4 Inseln gebucht. Es geht über morgen früh am Morgen los. Es beinhaltet aber das wichtigste, den Whithaven Beach. Dieser soll ein unglaublich weisser Sandstrand von mehreren Kilometern (etwa 7) haben. Ich bin schon mehr als nur gespannt. Falls mein Ohr dann noch besser werden sollte muss ich unbedingt Unterwasser. Was besseres wie das Great Barrier Reef findet sich kaum auf dieser Welt! Airlie Beach hat keinen nennenswerten Beach wie der Name verspricht. Dafür gibt es eine grosse, geschützte Salzwasserlagune die künstlich angelegt worden ist. Hier kann man dafür quallenfrei baden! Es werden hier aber auch das letzte stücken Platz und Erde (auch der ganze Hang) zugebaut. Hier wird von den Seglern und den „Backpacker“ die Nacht zum Tag gemacht…
Auch sowas nennt sich zur Zeit mein Nachbar!
Das nächste Mal werde ich Euch dann von meinem Ausflug, vielleicht sogar von der Unterwasserwelt berichten ;-). Also bis bald…
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